Geschichte der NMS Rudigier

Geschichte der NMS Rudigier

Ein Blick in die Chronik

 

 

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Bischof Franz Josef Rudigier

Im Jahre 1956 schrieb Sr. Altmanna Kern, ehemalige Direktorin der Rudigierschule an das Erzbischöfliche Amt für Unterricht und Erziehung, Wien, folgenden Bericht:

„Was Bedürfnis der Zeit, ist Gottes Wille.“

Dem obgenannten Grundsatz des hochseligen Stifters P.Theodosius Florentini gemäß, gründete schon im Jahre 1863 die Generalleitung der Kongregation der barmherzigen Schwestern vom hl.Kreuz in Ingenbohl, Schweiz, die oberösterreichische Provinz in Linz, Wurmstraße 3 und errichtete im gleichen Jahre eine Filiale in Steyr, Berggasse 18 – 20.

Von dieser Niederlassung aus nahm die caritative, soziale, unterrichtliche und erziehliche Tätigkeit der Schwestern ihren Anfang.

Über 70 Jahre wurde von der Schwesterngemeinschaft dieses Hauses die Hauskrankenpflege versorgt, eine Strick- und Nähschule geleitet und Privatunterricht in den Fremdsprachen, Französisch, Englisch und Italienisch, sowie in Stenographie und Maschinschreiben erteilt.

Auch ein Privatkindergarten für die vorschulpflichtige Jugend erfreute sich eines regen Zuspruchs.

Von 1872 bis 1955 wurde, mit Ausnahme der Zeit während des zweiten Weltkrieges, von mehreren Schwestern auch Musikunterricht gegeben.

Über Bitten einiger katholischer Familien von Steyr wurde 1924 eine Lehrerin mit der Führung einer 1., 2. und 3. Volksschulklasse betraut. Dieser erste Schulanfang musste jedoch Umstände halber wieder aufgegeben werden.

Zwei Jahre später, 1926, stellte eine kath. Elterngemeinschaft an die damalige Provinzoberin neuerdings das dringliche Ansuchen um Lehrschwestern zur Errichtung einer Volksschule. Diese konnte bereits im Herbst desselben Jahres mit schulbehördlicher Bewilligung ins Leben gerufen werden.

Das Jahr 1929 machte die Eröffnung einer Gewerbeschule und später die einer dreijährigen Höheren Lehranstalt notwendig, erstere musste schon 1931 wegen Schulraummangel aufgelassen werden.

Durch den Ankauf des herrlichen Kirchberger-Parkes im Frühjahr 1929 stand ein günstiger Bauplatz zur Verfügung, auf dem ein Schulneubau erstehen konnte.

Machen wir dazu direkt einen Blick in die Chronik:

Am 15.Februar wurde uns eine große Freude als Antwort auf eine von der Konferenz am 29.1. beantragte Anfrage an die Provinzvorstehung bezüglich der Zukunft unserer Schule zuteil.

Wohlehrwürden Frau Provinzoberin Sr.Liboria Past traf am selben Tag in Begleitung der

ehrwürdigen Provinzrätin, unserer geschätzten, gewesenen Anstaltsoberin, Sr.Ildephonsa Reschauer hier ein. Es handelte sich um den Ankauf des Bauplatzes für eine neue Schule. Ausersehen hiezu war ein sich im Besitz der Frau Emma Kirchberger befindlicher Park, der nun von der Provinzvorstehung besichtigt wurde.

Eine andere Stelle der Chronik berichtet weiter:

Nun schien aber die Sache zu ruhen. Es schien ziemlich aussichtslos. Es fehlten die Mittel dazu. Die Provinzvorstehung war von Schuldenlast durch den Neubau in Linz fast und erdrückt.

Wir saßen ratlos beisammen, da läutete das Telefon. Dr. Kornhhäusl, unser Berater in der Parkangelegenheit verkündete telephonisch, soeben waren Frau Provinzoberin und zwei Ratsschwestern hier.

Die Angelegenheit ist erledigt, der Park ist gekauft. Das war eine Überraschung, ein gewaltiger Riss in die Wolken, die uns soeben noch die Zukunft unserer jungen Schule verdüsterten. Ein inniges TE DEUM stieg an diesem Tag aus unseren Herzen zum lieben Gott empor.

Im September 1930 schloss sich der Volksschule die vierjährige Pflichthauptschule an, die bereits im September 1932 in das neue Schulgebäude übersiedelte.

Wiederum aus der Chronik:

Der 23. Juni 1932 brachte unverhofft die Wohlehrwürdige Frau Provinzoberin Frau Liboria Past aus Linz in Begleitung von Baumeister Brunner, welcher Pläne mithatte für den Bau der so nötigen Schulräume.

So schlägt denn doch nach jahrelangem Rufen die Erlösungsstunde!

Schon nächsten Tag, 24.6., wurde mit der Räumung des alten Gebäudes, des Stallgebäudes im Park begonnen, die Arbeiter wurden bestellt, 150 an Zahl, sollte doch in zwei Schichten gearbeitet werden, (von 4 – 12 und von 12 – 8 Uhr), damit der Bau bis 16.September beziehbar werde.

Samstag, den 25.6. kamen bereits die ersten Fuhren mit Baumaterial an und seitdem herrscht im sonst so stillen Park geschäftiges Treiben.

Der Stall wird durch Heben des Dachstuhles und Aufbau eines Stockwerkes einstöckig und der Altbau wird bergen: ebenerdig zwei große Klassenzimmer, 1 Lehrmittelzimmer und im 1.Stock vier große Klassen.

1000 Dank unserem Helfer „Bischof RUDIGIER“!

Ende des Monats trafen die neu bestellten Lehrmittel für Physik ein: Optische Scheibe, Klemmschrauben, Deklinationsnadel, opt. Linsen, Fallrinnen …. zusammen im Werte von 250 Schilling.

Der Schulbau im Park schritt hurtig weiter, am 19.7. ist der Bau bereits unter Dach, weshalb nur mehr eine Schichte Arbeiter tätig sein kann. Am 21.7. – Aufsteckung des Gleichbaumes.

Am 21.September 1932 konnte bereits die Kollaudierung stattfinden. Nun ging es rasch an die Vorbereitung für Einweihung, Eröffnung und Schulbeginn.

Am Sonntag, 25.September 1932 eilte unsere Jugend (gegen 11 Uhr) dem Neubau zu um im Spalier die Hochww. Herren zu empfangen, welche die Einweihung vornehmen sollten.

Am gleichen Tag fand auch die Eröffnungsfeier um 15 Uhr im Casino-Saal statt. Eine große Menschenmenge war gekommen. Es dürften bei 1000 Menschen gewesen sein, welche uns bzw. der neuen Schule die Ehre gaben.

Setzen wir den Bericht von Sr.Altmanna fort:

Der Neubau wurde dem Ehrwürdigen Diener Gottes Bischof Rudigier, als dem Erneuerer katholischen Lebens geweiht.

Der Segen Gottes ruhte sichtlich auf dem zu seiner Ehre und zum Wohle der katholischen Jugend erstandenen Werk.

Der Sommer 1938 bereitete dem segensreichen und frohen Schaffen der Lehrschwestern im Dienste der Jugend ein jähes Ende. Das Haus wurde vom NS-Regime für verschiedene Zwecke, wie Geheimpolizei, Flüchtlingsheim, öffentl.Volksschule usw. angefordert. Den Ordensschwestern wurde die Erteilung jeglichen Privatunterrichtes untersagt.

Erst nach dem Jahre 1945 konnte die Provinzleitung im Gebäude der Rudigierschule zwei Räume zur Unterbringung des ordenseigenen Kindergartens freibekommen. Im selben Jahr nahm auch die Nähschule wieder zahlreiche junge Mädchen auf und die Fremdsprachen- und Stenotypistenkurse wiesen eine Durchschnittsfrequenz von über 100 Schüler und Schülerinnen auf. Im Juli 1950 wurde der Mietvertrag mit der Stadtgemeinde Steyr gelöst und die Räumlichkeiten des Schulhauses konnten dem ursprünglichen Zweck zugewiesen werden.

Allmählich erlangte die Anstalt wieder ihren Ruf und die Mädchenhauptschule, aus der bisher über 1850 Pflichtschülerinnen entlassen wurden, nahm ihre Lehr- und Erziehungstätigkeit wieder auf.

Soweit der Bericht von Sr.Altmanna Kern im Jahre 1956.

Sehr lange diente das Gebäude nur Schulzwecken bis man sich nochmals entschloss, Baumaterial herbeizuschaffen.

Der Schule wurde 1969 ein Schwesternhaus und ein Kindergartenneubau angeschlossen, so dass am 5.September 1969 die Schwestern und der gesamte Kindergarten von der Berggasse in die Hochhauserstraße übersiedeln konnten.

Das Haus in der Berggasse wurde zur selben Zeit verkauft.

Die Schulentwicklung ging weiter. 1985 wurden Leistungsgruppen eingeführt, 1988 nahmen wir die ersten Knaben in unsere Schule auf und bereits ab 1989 wurden die neuen Technologien für den Unterricht vorgeschrieben. Dies erforderte wiederum eine Vermehrung der Schulräume und zudem wurde das gesamte Haus sanierungsbedürftig.

So entschloss sich die Provinzleitung der Kreuzschwestern zu einem Um- und Neubau des Kindergartens, der Hauptschule und auch des Konventes.

Wir freuen uns, dass der Bau gelungen ist und wollen nun die Weihe vornehmen.

HD OSR Sr. Hildegardis Hurnaus